Wohnhaus Bünaustraße 7 in Eutritzsch - Leipzig

place
Bünaustraße 7, 04129 Leipzig

Ursprüngliche Nutzung

Wohnen & Geschäft - Wohnhaus

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Informationen

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Gebäudezustand

guter Zustand

Baulicher Zustand/Bauschäden

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Kategorie

bedrohtes Denkmal

Objekt-Nr.

734

Ort

Bünaustraße 7, 04129 Leipzig auf Karte anzeigen

Beschreibung

Städtebauliche Einbindung und Lage Das Denkmal befindet sich im Leipziger Stadtteil Eutritzsch, nordöstlich des historischen Dorfkerns. Die Bünaustraße 7 ist eingebunden in eine geschlossene bis halboffene Blockrandbebauung, die typisch für die städtische Erweiterung während der späten Gründerzeit ist. Das Gebäude steht in halboffener Bebauung und bildet eine konzeptionelle sowie bauliche Einheit mit dem südlich direkt anschließenden Nachbargebäude Nr. 5. Zur Straße hin wird die Parzelle durch einen Vorgarten abgegrenzt, der als städtebauliche Pufferzone den Übergang vom öffentlichen Straßenraum zur privaten Wohnsphäre gliedert. Hier wachsen verschiedene Gehölze, Stauden und ein Ginkgobaum. Diese Freifläche wird zur Bünaustraße hin durch eine historische Einfriedung abgeschlossen. Sie besteht aus einem gemauerten, verputzten Sockel mit massiven Pfeilern und dazwischen eingespannten, kunstvoll geschmiedeten eisernen Zaunfeldern (im Sommer grün verwachsen) samt einem gestalterisch darauf abgestimmten Zugangstor. Baubeschreibung des Hauptgebäudes Bei dem Denkmalobjekt handelt es sich um ein mehrgeschossiges Wohnhaus, das im Jahr 1895 (Inschrift vorhanden bei Nr.5) als Mietshaus errichtet wurde. Der massiv gefügte Baukörper erhebt sich über einem Souterrain, dessen Sockelbereich das Niveau des Geländes ausgleicht. Die straßenseitige Schaufassade ist als historisierende Putzfassade ausgeführt und zeigt die für den späten Historismus charakteristische, streng axial gegliederte Fensteranordnung über alle Hauptgeschosse. Die vertikale Gliederung wird durch flache Seitenrisalite und Putzpilaster bestimmt, welche die Symmetrie der Front betonen. Horizontal wird die Fassade durch profilierte Gurt-, Haupt- und Sohlbankgesimse strukturiert, die dem Baukörper optische Stabilität verleihen. Ein dominantes plastisches Element der Straßenfront ist der gestalterisch akzentuierte Balkon, welcher auf zeittypischen, verzierten Konsolen ruht und mit einer schmiedeeisernen Brüstung versehen ist. Fassadendetails und Bauplastik Zur optischen Stabilisierung des Gebäudes folgt die Oberflächengestaltung einem klassischen, dreizonigen Aufbau: Während die Sockelzone im Erdgeschoss als schweres Quadermauerwerk in Form einer Bänderrustika ausgeführt ist, zeigen die oberen Hauptgeschosse feine Glattputzflächen. Der reiche dekorative Bauschmuck umfasst plastische Fensterverdachungen in Form von klassischen Dreiecksgiebeln. In den darunter liegenden Brüstungsfeldern befinden sich ornamentale Stuckreliefs mit floralen und vegetabilen Motiven. An der südlichen Schnittstelle zur Hausnummer 5 ist die Baunaht als vertikale Stoßfuge im Putzbild deutlich ablesbar. Sie markiert die exakte Grenze der beiden separat errichteten, im Fassadenbild jedoch harmonisch aufeinander abgestimmten Haushälften. Das Gebäude schließt nach oben mit einem ausgebauten Mansarddach ab.

Baujahr

Fertigstellungsjahr 1895 (basierend auf dem Eintrag der Denkmalliste von dem Landesamt für Denkmalpflege in Leipzig und der Fassadeninschrift)

Nutzung

Geschichte

Ursprung und städtebaulicher Kontext (1381 bis 1890) Das heutige Leipzig-Eutritzsch entwickelte sich aus einem slawischen Sackgassendorf („Udericz“), dessen stadtgeschichtliche Bedeutung eng mit dem Leipziger Rat verknüpft ist. Im Jahr 1381 erwarb der Rat der Stadt Leipzig das Dorf von Rudolf von Bünau auf Erdmannshain. Diese frühe administrative Bindung prägte die Entwicklung des Ortes über Jahrhunderte. Die Bünaustraße erinnert mit ihrer Benennung noch heute an diesen historischen Akt und den einstigen Grundherren. Die historische Siedlungsachse des Dorfes bestand im Wesentlichen aus der Gräfestraße und der Bünaustraße, die sternförmig auf den alten Dorfkern und den Marktplatz zuliefen. Bis weit in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts blieb das Areal durch dörfliche Strukturen und landwirtschaftliche Hofanlagen geprägt. Ein Relikt dieser Epoche ist das benachbarte, ehemalige Bauernhaus in der Bünaustraße 4a. Mit der offiziellen Eingemeindung nach Leipzig im Jahr 1890 setzten schließlich eine rapide Urbanisierung und ein tiefgreifender Strukturwandel ein. Der enorme Zuzug von Arbeitskräften der nahen Industriegebiete erforderte die Erschließung der alten Dorfstraßen für den großstädtischen Mietwohnungs- und Villenbau des Bürgertums. Errichtung und Architektur der Bünaustraße 5 und 7 (ab 1895) In dieser baulichen Transformationsphase entstand im Jahr 1895 das villenartige Wohnhausensemble Bünaustraße 5 und 7. Die Gebäude wurden als halboffene Bebauung und als zusammenhängende bauliche Einheit konzipiert. Typisch für das bürgerliche Wohnen der Gründerzeit wurden die vornehmen Bauten mit einem repräsentativen Vorgarten und einer schmiedeeisernen Einfriedung von der Straße abgesetzt. Die Fassadenarchitektur folgt den Prinzipien des späten Historismus. Während die Nummer 5 durch einen breiten, markanten Straßenerker, ein eisernes Vordach und kunstvolle, bleiverglaste Treppenhausfenster akzentuiert wird, spiegelt das Nachbarhaus Nummer 7 diese Symmetrie mit einer feingliedrig historisierenden Putzfassade und einem zentralen Balkonaustritt über gusseisernen Konsolen wider. Nutzungsphasen und spätere Überformung Ursprünglich als großzügige Etagenwohnungen für das gehobene Bürgertum, Kaufleute und Beamte konzipiert, änderte sich die Nutzungsart nach dem Zweiten Weltkrieg und während der DDR-Zeit hin zu kleinteiligem, durch mangelnde Instandhaltung oft vernachlässigtem Wohnraum. Nach 1990 erfolgte eine umfassende, denkmalgerechte Sanierung der als Kulturdenkmale geschützten Objekte. Dabei wurden die feinen Putzstrukturen, das repräsentative Mansarddach und die Vorgartenbereiche rekonstruiert, wodurch der städtebauliche Charakter des alten Eutritzschers Dorfzweigs bis heute ablesbar bleibt. Einordnung und Würdigung des Denkmals Das Mietshaus Bünaustraße 7 ist ein exemplarisch überliefertes Zeugnis des spätgründerzeitlichen Wohnungsbaus im Leipziger Norden. Das Objekt besitzt zwar keinen singulären Individualwert, erlangt seine denkmalpflegerische Relevanz jedoch durch einen hohen baugeschichtlichen Dokumentationswert. Der Bau veranschaulicht anschaulich, wie standardisierte Dekorelemente der Neorenaissance im spekulativen Mietshausbau eingesetzt wurden, um der bürgerlichen Mittelschicht repräsentativen Wohnraum zu bieten. Darüber hinaus besitzt das Gebäude einen bedeutenden ortsentwicklungs- und sozialgeschichtlichen Zeugniswert: Es dokumentiert den Wandel des ehemals dörflichen Eutritzsch zur urbanen Großstadtperipherie am Ende des 19. Jahrhunderts. Zusammen mit dem baulich verbundenen Nachbarhaus Nummer 5 und dem Vorgarten entfaltet das Objekt zudem einen prägenden städtebaulichen Ensemblewert. Als integraler Bestandteil der geschlossen erhaltenen Blockrandbebauung stabilisiert es das historische Raumbild des Quartiers bis heute authentisch.

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